Macht Sinn!

Was mich immer wieder verwundert, ist die Aussage, dass bestimmte Ausdrücke nicht zur deutschen Sprache gehören, weil sie umgangssprachlich sind – oder noch schlimmer: englische Wurzeln haben. Klar, ein Ausdruck wie »Sinn machen« gilt nicht als Standardsprache, zur deutschen Sprache gehört er trotzdem. Ebenso wie Fachsprache und Dialekte. Oder Gendern.

Sich strikt an die Standardsprache zu halten, kann je nach Kontext Sinn machen, das ändert aber nichts daran, dass sie nur eine Varietät und nicht der Inbegriff der deutschen Sprache ist.

Am Beispiel von »Sinn machen« zeigt sich auch, wie elitär und unbegründet die Argumente manchmal sind, wenn es darum geht, die Deutungshoheit zu beanspruchen, was denn nun gutes und richtiges Deutsch™ sei. Bastian Sick hat 2003 einmal einen tendenziösen Artikel mit dem Titel »Stop making sense!« verfasst, in dem er den Ausdruck als typisches Beispiel für Denglisch nennt. Man meint fast die Abscheu herauszulesen, wenn er über die USA oder die breite Masse schreibt. Er leitet dann noch etymologisch her, dass »Sinn« und »machen« gar nicht zusammenpassen und schimpft über »Frühstückszerealien«.

Interessanter als Sicks Text ist die Antwort des Sprachwissenschaftlers Anatol Stefanowitsch auf sprachlog.de darauf. In mehreren Beiträgen nimmt er Sicks Sprachkritik auseinander, schnell ergibt sich ein komplexeres Bild: »Sinn« und »machen« haben schon Luther, Lessing und Goethe kombiniert, im Grimmschen Wörterbuch findet man sogar einen Hinweis darauf, dass die Verbindung aus dem Lateinischen entlehnt ist. »Sinn machen«, das seit den 1970ern vor allem durch Intellektuelle verbreitet wurde und sich etwa bei Max Frisch findet, könnte also ein seltener Fall sein, bei dem die Wiederbelebung einer alten Phrase und eine eher neuere Lehnübersetzung zusammentreffen.

Was aber außer Frage steht: Der Ausdruck gehört zur deutschen Sprache. Genau wie Anglizismen, Neopronomen und Bairisch.

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