Der Klappentext zu »Spannend schreiben. Krimi, Mord- und Schauergeschichten« verspricht einen Schreibverführer (!), eine Schreibwerkstatt und kreative Ansätze zum Ausprobieren. Doch statt Sinnlichkeit und Praxisnähe erwartet die Leser vor allem eine nüchtern-akademische Abhandlung über die Entwicklung der Spannungsliteratur.
Kenntnisreich führt Christian Schärf von der Gothic Novel und Poe zum Thriller à la Highsmith und landet schließlich beim skandinavischen Krimi. Da das Buch schon 2012 erschienen ist, finden neuere Entwicklungen wie Cosy Crime keine Erwähnung, selbst die Schwedenkrimis werden nur am Rande erwähnt.
Stattdessen will Schärf an älteren Texten verdeutlichen, was Spannungsliteratur ausmacht: Er zeigt anhand von »Dracula«, wie sich Bedrohung anbahnt, erklärt »Michael Kohlhaas« zum Prototyp des modernen Thrillers und folgt Sherlock Holmes, Sam Spade und Philip Marlowe bei ihren Ermittlungen.
Die vorgestellten Konzepte (Angstspannung vs Rätselspannung, Reise-Plot vs Wettstreit-Plot) sind durchaus interessant und werden durch zahlreiche Zitate aus Literaturklassikern veranschaulicht. Mit nicht einmal 150 Seiten ist der Ratgeber allerdings ein wenig knapp geraten, vieles bleibt an der Oberfläche. Wer mehr erfahren möchte, muss sich durch die (gut zusammengestellte) Literaturliste arbeiten.
Die Schreibaufgaben an den Kapitelenden ermuntern dazu, sich auf die Spuren der literarischen Vorbilder zu begeben. Mit dem Ergebnis steht man allerdings ziemlich allein da, es fehlt an Hilfestellungen und Feedback. Zudem haben die Aufgaben manchmal den Charme einer Abituraufgabe: »Gehen Sie von Kafkas erstem Satz in »Der Proceß« aus […] und nehmen Sie ihn zur Grundlage einer Auseinandersetzung zwischen dem Einzelnen und einer anonymen Macht.«
Fazit: Wer sich vom trockenen Ton nicht abschrecken lässt und Grundlegendes über Krimis und Thriller erfahren möchte, kann hier einiges lernen. Als Schreibratgeber ist »Spannend schreiben« jedoch nur bedingt empfehlenswert.
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