Wenn es darum geht, dass der Nervenkitzel kaum noch auszuhalten ist, kann man in Romanen, Tageszeitungen oder Filmrezensionen immer wieder diesen Satz lesen: »Die Spannung ist zum Greifen nah.«
Aber wenn man einmal genau hinschaut, ergibt der Ausdruck wenig Sinn und ist streng genommen sogar falsch. Es werden nämlich zwei Redwendungen vermischt, einmal »zum Greifen nah« und andererseits »die Spannung ist greifbar / zum Greifen / mit Händen zu greifen«.
»zum Greifen nah« bedeutet, dass etwas in der Nähe ist oder so nah erscheint, dass es erreichbar ist. Wenn der Erfolg oder der Sieg zum Greifen nah ist, ist er beinahe schon erreicht, aber noch nicht ganz.
Bei der Spannung hingegen geht es nicht darum, dass sie nah ist und potenziell erreichbar. Sie ist ja bereits da, wenn sie die Nerven kitzelt und man sie spürt. Das Greifbare bezieht sich drauf, dass die abstrakte Spannung so konkret fühlbar ist, dass man meint, sie anfassen zu können. Dabei geht es nicht um die Nähe der Spannung, sondern vielmehr um ihre Dichte, um ihre Präsenz im Raum.
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