Buchtipp: »Consider This«

In »Consider This: Moments in My Writing Life after Which Everything Was Different« schreibt Chuck Palahniuk, dass er für einen Schreib-Workshop einmal John Gardners »The Art of Fiction« (siehe meinen Post hierzu) lesen musste, aber von den Anspielungen auf Klassiker der Weltliteratur überfordert war. Sein eigener Schreibratgeber ist daher ein Gegenentwurf zu Gardner, der hochnäsig auf Comics und Genreliteratur herabblickt. Statt auf Homer und Shakespeare zu verweisen, veranschaulicht Palahniuk seine Idee vom guten Storytelling mit Beispielen aus der Popkultur von Indiana Jones über Shirley Jackson bis zu Fastfood-Werbung.

Auch wenn Palahniuk seine Vorstellungen selbstbewusst vertritt und gern auf die eigenen Texte als Paradebeispiel verweist, gibt er sich in »Consider This« im Grunde bescheiden: Er macht klar, dass ihm die Rolle als Lehrer nicht ganz geheuer ist und er vor allem das Wissen seiner Vorbilder und Mentoren weitergibt. Viele Tipps kennt man schon in anderer Form, bei Palahniuk kommen sie aber wunderbar unprätentiös und in anschaulichen Bildern daher. Er erklärt, warum Geschichten eine Uhr und eine Pistole brauchen und warum man Objekte recyceln sollte, und bietet mit »big voice« und »little voice« einen unverbrauchten Zugang zum durchgenudelten Konzept »Show, don’t tell«.

Andere Ideen sind überraschend: So unterteilt Palahniuk Texte etwa in die drei Texturen Beschreibung, Anleitung und Soundwörter, er rät dazu, Listen in Geschichte einzubauen und bloß keine Träume zu beschreiben. Am meisten kann man wohl aus »Consider This« herausholen, wenn man sich wie Palahniuk einem literatischen Minimalismus verpflichtet fühlt, also Geschichten in klarer, einfacher Sprache, aber Freude an inhaltlicher und formaler Grenzüberschreitung.

Neben meist harmlosen, aber unterhaltsamen Anekdoten über Stephen King, Neil Gaiman und Nora Ephron sowie Geschichten aus dem Autorenalltag, blitzt auch immer wieder Düsteres und Ekliges auf, wie man es aus Palahniuks Geschichten kennt (und im Gegensatz zu mir vielleicht auch schätzt). Das Verstörende bleibt aber eher Randnotiz, »Consider This« ist alles in allem ein zugänglicher, witziger und vor allem lehrreicher Ratgeber.

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