Über das Setting, über Landschaften, Räume und Objekte lassen Figuren sich hervorragend charakterisieren. Der Tritt in ein kaltes Stück Pizza nach dem Aufwachen, der Blick aus dem frisch von der Haushälterin geputzten Fenster auf den blauen Pool oder das ziellose Umherirren durch in Neonlicht getauchte, regennasse Straßen verraten bereits viel über die Figuren, ohne dass wir deren Gedanken oder Lebensgeschichten kennen müssen.
Neben Gegenständen und Zimmern dient häufig die Natur als Spiegelbild menschlicher Vorstellungen und Sehnsüchte. Dieses Zuschreiben von menschlichen Eigenschaften ist so tief in der Alltagssprache verwurzelt, dass es uns manchmal kaum noch auffällt: Da wütet etwa ein Sturm oder der Wind bläst unerbittlich.
In der Literatur, wenn Sprache präzise und auf originelle Weise genutzt werden soll, können solche Gleichsetzungen von Naturphänomenen und Emotionen aber auch schnell plakativ und kitschig wirken. John Ruskin hat Mitte des 19. Jahrhunderts den Begriff pathetic fallacy geprägt und damit die emotionale Falschheit kritisiert, die er in den Werken von Dichtern des 18. Jahrhunderts auszumachen meinte. Aus emotionaler Erregung heraus sollten der Natur nicht einfach menschliche Gefühle übergestülpt werden.
Dass das Wetter die Stimmung beeinflusst oder die eigene Verfassung die Wahrnehmung der Außenwelt prägt, ist klar. Aber wenn die Natur bloß auf simple Weise die Emotionen der Figuren widerspiegelt, wenn bei Euphorie die Sonne scheint und bei beim Tränenvergießen der Regen fällt, ist das doch ein wenig einfallslos und eventuell auch zu egozentrisch.
Diesem literarischen Anthropozentrismus, also der Idee, dass der Mensch das Maß aller Dinge und die Krone der Schöpfung ist, hält der Schriftsteller Charles Baxter in seinem Essay »Talking Forks« Folgendes entgegen: »If objects reflect only the characters who look upon them, they have nothing to tell us. All they would do is mirror us. They would enlarge, once again, the human realm. But the human realm in our time needs no further enlargement. It is already bloated, in many senses at once.«
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