Vermutlich hast du auch schon einmal von den 12 Archetypen gehört, oder? Unter dem Begriff werden Figuren mit Namen wie der Weise, der Krieger und der Narr zusammengefasst, die gewisse universelle Grundtypen verkörpern sollen und auch fürs Storytelling genutzt werden können. Oft wird in diesem Zusammenhang der Name des Schweizer Psychiaters Carl Gustav Jung genannt und es werden wissenschaftlich anmutende Diagramme gezeigt.
Doch wer sich ein wenig mit Jung beschäftigt, wird dort weder besagte Diagramme noch eine fein säuberliche Einteilung in 12 Archetypen finden. Im Gegenteil: Archetypen sind laut Jung unbewusst und unanschaulich, also nichts, was sich einfach so abzählen, abstrahieren und in ein übersichtliches Schema packen lässt. Archetypen zeigen sich demnach nur konkret durch universell über alle Zeiten und Kulturen auftretende Bilder und Symbole, darunter Motive aus Mythen und Märchen wie die Mutter, die Reise oder der Baum.
Jungs Ideen werden kontrovers diskutiert und sind nach wie vor einflussreich (man denke nur an die Videospielserie »Persona«). Mitte der 1980er dienten sie neben Jospeh Campbells Heldenreise als eine Inspiration für Carol Pearsons »The Hero Within«. Anhand von zunächst sechs Archetypen entwickelte Pearson hier Persönlichkeitsmodelle, die sie in späteren Selbsthilfebüchern schließlich um sechs weitere Typen ergänzt hat. 2001 hat sie ihr Schema dann in »The Hero and the Outlaw« für den Bereich Branding angepasst.
Mit der Entwicklung von Romanfiguren haben die Archetypen also erst einmal nichts zu tun. Trotzdem gibt es Autoren, die sich Pearsons Modell angeeignet haben und es erfolgreich als Schreibwerkzeug nutzen. Meiner Meinung nach sollte man Pearsons Konzepte aber nicht verklären: Ähnlich wie der Myers-Briggs-Typenindikator sind sie wissenschaftlich bestenfalls umstritten und den beanspruchten Universalismus kann man (wie bei Campbell) durchaus kritisch sehen.
Arbeitest du beim Schreiben mit Archetypen oder der Heldenreise?
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