Eine Inquit-Formel (vom Lat. »inquit« für »er sagt«) ist ein formelhafter Begleitsatz, der bei der direkten Rede steht und dazu dient, das Gesprochene einem Sprecher zuzuweisen. Neben dem Sprecher gehört zur Formel auch ein Verb des Sagens (verbum dicendi) – und da fängt der Schlamassel auch schon an.
Was zählt denn nun als Verb des Sagens? Kann man Sätze lachen, husten oder seufzen? Sind »fortfahren« und »wiederholen« verba dicendi?
Die Gruppe der Verben des Sagens ist groß und unübersichtlich, man kann sie aber auf folgende Weise unterteilen:
- Der Klang des Sprechakts wird wiedergegeben, z. B. »murmeln«, »wispern«, »kreischen«.
- Der Inhalt des Sprechakts wird aufgegriffen, z. B. »überreden«, »bedanken«, »fragen«.
- Der Sprechakt wird neutral wiedergegeben bzw. das Verb dient vor allem dazu, die Äußerung in der Sequenz des Dialogs einzuordnen, z. B. »sagen«, »wiederholen«, »fortfahren«.
Welche Verben nun davon in der Belletristik genutzt werden sollten, ist umstritten. Dass man einen Satz nicht seufzen kann, heißt es beispielsweise. Aber was ist mit einzelnen Wörtern? Der Duden immerhin kennt als Definition für »seufzen« »seufzend äußern, sagen« und gibt als Beispiel »›ja, ja‹, seufzte er schuldbewusst« an. Bei längeren Sätzen dürfte das mit dem Seufzen, das ja ein klangvolles Ein- und Ausatmen ist, aber tatsächlich schwierig werden.
Was möglich ist, ist also eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber auch der Zielgruppe, des Stils und der Perspektive.
So tritt bei manchen verba dicendi die Erzählinstanz stark in den Vordergrund und interpretiert, was zu große Distanz zu den Figuren erzeugen kann oder dafür sorgt, dass Leser sich bevormundet fühlen.
Das unscheinbare »sagen« gilt vielen als beste Wahl, da es eben nichts anderes macht, als den Dialog einem Sprecher zuzuordnen. Manche wünschen sich hingegen mehr Würze – übersehen dabei aber eventuell, dass diese Würze idealerweise aus dem Dialog selbst stammen sollte.
Vor allem in journalistischen Texten und und in Trivialliteratur kann man einen doch eher kreativen Umgang mit Inquit-Formeln sehen – da werden Sätze gelacht, genickt oder mit der Faust auf den Tisch gehauen –, während man sich in der sogenannten gehobeneren Literatur oft auf »sagen« beschränkt.
»sagen« hat den Vorteil, dass es nicht nur unscheinbar ist, es lässt den Lesern auch Raum zur Interpretation, wohingegen man in der Trivialliteratur plakativer schreibt, um dem Publikum eindeutig zu vermitteln, was Sache ist.
Zwischen diesen Extremen ist vieles machbar. Sinnvoll ist, die eigenen Vorlieben als auch die der Zielgruppe zu berücksichtigen und sich mit literarischen Traditionen auseinanderzusetzen.
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