Woran erkennt man KI-Texte?

Seit dem Aufkommen von Large-Language-Modellen wie ChatGPT nutzen immer mehr Menschen KI, um Texte auf Knopfdruck zu produzieren – und machen dies leider oft nicht transparent. Doch es gibt einige verräterische Merkmale, an denen man KI-Texte erkennen kann.

KI-Texte (damit sind in diesem Fall mit LLMs generierte Texte gemeint) überschwemmen gerade Teile des Buchmarkts, vor allem den Selfpublishing-Bereich. Auch im Lektorat bekomme ich vermehrt Anfragen, bei denen in der Regel schnell deutlich wird, dass der Autor ChatGPT, Claude oder Gemini genutzt hat, um seine Geschichte zu schreiben. In vielen Fällen geben die Autoren erst auf Nachfrage und zögerlich an, dass sie ein LLM eingesetzt haben – obwohl das in den meisten Fällen offensichtlich ist. 

Vor allem wenn man sich täglich mit belletristischen Texten auseinandersetzt, fällt einem der Unterschied zwischen einem klassisch entstandenen und einem KI-Text meistens schnell auf. KI-Detektoren wie Pangram muss man dabei nicht unbedingt einsetzen, deren Ergebnisse sind nicht immer zuverlässig und oftmals reicht ein genauer Blick ins Manuskript.

Schauen wir einmal auf folgende von Claude generierte Romanszene:

Elena stand am Fenster – nicht, weil sie etwas sah, sondern weil das Fenster ihr erlaubte, nichts zu sehen und trotzdem hinzuschauen.

Es war nicht nur ein gewöhnlicher Abend – es war der Abend, der Abend, an dem sich alles ändern würde, auch wenn sie das in diesem Moment noch nicht wusste. Der Regen klopfte gegen die Scheibe, sanft, beharrlich, fast wie eine Erinnerung, die nicht aufgeben wollte.

„Du bist schon wieder hier draußen“, sagte Markus, der in der Tür stand, die Arme verschränkt – eine Geste, die weniger Vorwurf als Sorge ausdrückte.

„Ich denke nach“, antwortete sie, ohne sich umzudrehen.

„Worüber?“

„Über alles. Über nichts. Über die Dinge, die man nicht in Worte fassen kann – und über die Worte, die man trotzdem sucht.“

Er trat neben sie, und für einen Moment standen sie einfach da, zwei Silhouetten vor einem Fenster, das mehr Fragen stellte, als es Antworten gab.

„Es ist nicht deine Schuld“, sagte er schließlich.

„Das weiß ich.“ Eine Pause – lang, gewichtig, beinahe greifbar. „Aber Wissen und Fühlen sind zwei verschiedene Dinge, nicht wahr?“

Der Regen wurde stärker. Draußen verschwamm die Stadt zu einem Meer aus Lichtern – golden, rot, blau – jedes einzelne ein kleines Versprechen, das niemand einlösen würde.

„Weißt du, was mich am meisten beschäftigt?“, fragte sie, und ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Es ist nicht die Vergangenheit. Es ist nicht einmal die Gegenwart. Es ist die Frage, ob wir – du und ich, jeder von uns auf seine Weise – überhaupt bereit sind für das, was kommt.“

Markus schwieg. Manchmal, das hatte er gelernt, war Schweigen die ehrlichste Antwort von allen.

„Wir werden es herausfinden“, sagte er schließlich. „Zusammen. Schritt für Schritt.“

Sie nickte, auch wenn sie nicht ganz überzeugt war – nicht von seinen Worten, sondern von der Welt, die draußen, hinter dem Glas, weiterhin ihren unaufhaltsamen Gang ging, gleichgültig gegenüber all den kleinen, großen, unaussprechlichen Dingen, die sich in diesem Zimmer gerade abspielten.

Es war nicht das Ende. Es war nicht einmal ein Anfang.

Es war einfach – ein Moment.

Das Beispiel wirkt etwas plakativ, aber es eignet sich gut, um einige der typischen KI-Merkmale darzustellen. Dazu gehören folgende Punkte:

  • Gedankenstriche werden übermäßig oft eingesetzt (»es war nicht nur ein gewöhnlicher Abend – es war der Abend«).
  • Es finden sich viele Dreiergruppen (»golden, rot, blau«).
  • Das Satzmuster »nicht X, sondern Y« wird häufig verwendet, allgemein gibt es zahlreiche Verneinungen (»nicht von seinen Worten, sondern von der Welt«).
  • Bestimmte Aspekte werden betont, um Tiefe vorzugaukeln, zum Beispiel durch Nachschübe (»der Regen klopfte gegen die Scheibe, sanft, beharrlich«).
  • Aussagen bleiben vage (»fast wie eine Erinnerung«, »weniger Vorwurf als Sorge«, »beinahe greifbar«).
  • Ungenaue Aussagen nutzen oftmals Gegenteile, die suggerieren das über große, gewichtige Themen gesprochen wird (»Über alles. Über nichts.«).
  • Es wird mehr behauptet als szenisch dargestellt. Pausen werden zum Beispiel direkt bezeichnet (»Eine Pause – lang, gewichtig, beinahe greifbar.«).
  • Metaphern erscheinen bedeutungsvoll, erweisen sich jedoch beim genauen Lesen als inhaltsleer (»zwei Silhouetten vor einem Fenster, das mehr Fragen stellte, als es Antworten gab«).
  • Es finden sich Plattitüden (»Manchmal, das hatte er gelernt, war Schweigen die ehrlichste Antwort von allen.«).
  • Durch knappe oder fragmentierte Sätze wird Bedeutung vorgetäuscht (»Es war nicht das Ende. Es war nicht einmal ein Anfang. Es war einfach – ein Moment.«).

Allgemein entsteht bei KI-Texten schnell der Eindruck, dass hier mit einigem Aufwand recht wenig erzählt wird. Es werden zwar zahlreiche Stilmittel aufgefahren, um Tiefgang zu simulieren, inhaltlich bleiben die Texte aber ungenau und ohne originelle Aussage.

Wichtig ist außerdem: Weder Gedankenstriche noch Dreiergruppen oder Satzfragmente an sich sind ein Beweis, dass ein Text KI-generiert ist. Die vorgestellten Merkmale sind lediglich Hinweise. Vor allem wenn ein Merkmal gehäuft und in Kombination mit anderen vorkommt, lohnt sich jedoch kritisches Hinschauen und Nachfragen.

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Eine Antwort zu „Woran erkennt man KI-Texte?“

  1. […] Konntest du alle Auszüge zuordnen? Falls nicht, hilft dir vielleicht mein Beitrag »Woran erkennt man KI-Texte?«, um herauszufinden, wo die KI am Werk […]

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