Texte, die mit Large-Language-Modellen erstellt wurden, fluten momentan das Netz – und auch die Buchwelt bleibt nicht verschont. Doch wer seinen Blick schärft, kann Menschengemachtes oftmals von KI-generierten Texten unterscheiden. In diesem kleinen Quiz kannst du deine Fähigkeiten auf die Probe stellen.
Einige der folgenden acht Textauszüge wurden mit LLMs erschaffen, andere stammen von menschlichen Autoren. Kannst du sie alle richtig zuordnen? Die Auflösung findest du am Ende des Beitrags.
A: Sie gingen weiter, die Plane über sich gezogen. Die feuchten grauen Flocken wirbelten und rieselten aus dem Nichts. Am Straßenrand grauer Matsch. Unter den durchgeweichten Ascheverwehungen rann schwarzes Wasser hervor. Auf den fernen Kämmen keine Freudenfeuer mehr. Die Blutsekten, dachte er, müssen sich allesamt gegenseitig vertilgt haben. Niemand war auf dieser Straße unterwegs.
B: Marlene rannte, ohne zurückzusehen. Äste peitschten ihr ins Gesicht, ihre Lunge brannte, aber sie zwang sich, schneller zu laufen. Hinter ihr, irgendwo zwischen den Bäumen, knackten Zweige – rhythmisch, gleichmäßig. Schritte. Zu nah.
Sie stolperte über eine Wurzel, fing sich gerade noch ab und presste die Hand vor den Mund, um ihr eigenes Keuchen zu ersticken. Das Mondlicht fiel in schmalen Streifen durch das Blätterdach, zeichnete zitternde Muster auf den Waldboden. Irgendwo rief ein Käuzchen, und für einen Herzschlag klang es fast wie ein Name.
Ihr Name.
Marlene presste sich gegen den Stamm einer alten Eiche, das Herz hämmerte ihr bis in die Kehle. Die Taschenlampe – sie hatte sie längst weggeworfen, das Licht hätte sie nur verraten. Jetzt gab es nur noch das Dunkel und das Gefühl, dass etwas da draußen genau wusste, wo sie war.
C: Der Pfad führte weiter bergab, hinein in ein Tal, das die Karten als Silbermulde bezeichneten, obwohl kein Kartograph seit Generationen dort gewesen war, um den Namen zu überprüfen. Die Bäume hier standen dichter, ihre Kronen so verflochten, dass das Nachmittagslicht nur noch in schmalen, zitternden Strahlen den Boden erreichte. Zwischen den Stämmen hingen Spinnennetze, groß wie Fischernetze, leer und unbewohnt, als hätten selbst die Spinnen beschlossen, dieses Tal zu meiden.
»Wie kämpft man gegen so etwas?«, fragte Bren schließlich, seine Stimme leiser, als er beabsichtigt hatte.
»Man kämpft nicht.« Ilvaya zog ihr Messer, nicht weil sie eine Bedrohung sah, sondern weil das kühle Gewicht in ihrer Hand ihr half zu denken. »Man überlebt, bis das Licht zurückkommt, und hofft, dass man dabei noch weiß, wer man ist.«
Sie erreichten eine Lichtung, in deren Mitte ein einzelner, toter Baum stand, seine Rinde grau und rissig wie die Haut eines uralten Tieres. An seinen untersten Ästen hingen Bänder aus verblasstem Stoff, Dutzende, vielleicht Hunderte, jedes einzelne mit winzigen, verblichenen Schriftzeichen bestickt.
D: Von ferne drang der Lärm der Gewehrsalven zu ihnen.
»Du hast mit deiner Prognose genau richtiggelegen!«, rief Remi aus der Dunkelheit.
»Im Stillen hatte ich gehofft, dass ich mich verschätze – um drei oder vier Stunden«, erwiderte er, wuchtete die zweite Lore aufs Gleis. Eine Minute später stand schon die dritte auf den Schienen. Remi tauchte mit einer Handvoll Öllampen aus der Dunkelheit auf. Sie schleuderte zwei oder drei in jede Lore und tat dies mit so viel Wucht, um sicher sein zu können, dass das Öl aus den Lampen heraussickerte und sich auf dem Boden der Loren ausbreitete.
E: Sie springt auf und sprintet los, den Knipser in der Hand. Schnelle Knacklaute. Zwei Bäume, fünf Meter vor ihr. Sie jagt unter Kieferzweigen hindurch, die ihr ins Gesicht, in den offenen Mund fetzen. Rennt im Zickzack durch das unsichtbare Labyrinth und knipst im Sekundentakt. Ortet das nächste Hindernis.
F: Der Mittwoch begann damit, dass ihre Mutter anrief, um ihr mitzuteilen, dass sie das Haus verkauft habe.
Judith stand in der Küche, den Telefonhörer zwischen Schulter und Ohr geklemmt, und schnitt weiter Zwiebeln, während ihre Mutter die Einzelheiten aufzählte – der Preis, der Käufer, ein junges Paar aus Münster, das angeblich schon Pläne für einen Wintergarten hatte, dort, wo einst der Komposthaufen gewesen war, an dem Judiths Vater vierzig Jahre lang seine Zigaretten ausgedrückt hatte, heimlich, in dem Glauben, niemand bemerke es.
»Und du bist einverstanden damit«, sagte Judith. Es war keine Frage. Sie hatte gelernt, mit ihrer Mutter keine Fragen mehr zu stellen, sondern nur noch Feststellungen, die Raum für Widerspruch ließen, ohne ihn einzufordern.
»Es ist mein Haus, Judith.«
»Das habe ich nicht bestritten.«
Am anderen Ende der Leitung war ein Geräusch, das Judith nicht sofort zuordnen konnte – ein Klappern, als würde ihre Mutter Geschirr abwaschen, während sie sprach, so als wäre der Verkauf des Elternhauses eine Angelegenheit von derselben Beiläufigkeit wie ein schmutziger Teller.
G: Als ich ein paar Schritte vor der Rolltreppe einen Moment verharrte, mein Penguin-Taschenbuch mit Mark Aurels Selbstbetrachtungen und meine CVS-Tüte in der Hand – die Mittagspause des Tages, an dem mein Schnürsenkel riss, ging eben zu Ende –, war ich zwei Jahre auf dieses große Ziel zugeschritten, auch wenn ich das damals nicht so recht begriff; das heißt, zwei Siebzehntel oder ungefähr zwölf Prozent der verfügbaren Ideen in meinem Gehirn waren zu diesem Zeitpunkt Erwachsenenideen, der Rest kindische, und ich musste sie als solche akzeptieren.
H: Von der Anhöhe aus sah die Stadt aus wie ein Gebiss, dem man die Hälfte der Zähne gezogen hatte.
Nele stand zwischen den Betontrümmern, die einmal eine Schnellstraße getragen hatten, und zählte, aus alter Gewohnheit, die Rauchsäulen am Horizont. Vier. Gestern waren es sechs gewesen, vorgestern acht. Sie wusste nie, ob weniger Rauch bedeutete, dass ein Feuer erloschen war, oder dass es nichts mehr gab, das noch brennen konnte.
»Wir sollten weiter«, sagte Bo hinter ihr, die Stimme rau vom Staub, der seit Wochen nicht aus der Luft verschwand. »Bis zur Dämmerung wollten wir die Brücke erreicht haben.«
»Es gibt keine Brücke mehr, Bo.«
»Es gibt die Stelle, an der sie war. Das reicht.«
Nele nickte, ohne sich umzudrehen, und ließ den Blick noch einen Moment über das Tal wandern, das früher, in Erzählungen, die schon zu ihrer Kindheit gehörten, grün gewesen sein sollte. Jetzt war es eine Fläche aus grauem Geröll, durchzogen von den Skeletten ausgebrannter Fahrzeuge, die man auf den Hauptstraßen zurückgelassen hatte, als niemand mehr wusste, wohin die Flucht eigentlich führen sollte.
Und? Konntest du alle Auszüge zuordnen? Falls nicht, hilft dir vielleicht mein Beitrag »Woran erkennt man KI-Texte?«, um herauszufinden, wo die KI am Werk war.
Achtung, nun folgt die Auflösung!
Auflösung: A = »Die Straße« von Cormac McCarthy; B = KI-generiert; C = KI-generiert; D = »Das Gold von Sparta« von Clive Cussler; E = »Endgültig« von Andreas Pflüger; F = KI-generiert; G = »Rolltreppe« von Nicholson Baker; H = KI-generiert
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