Camp

Camp ist ein komplexes Phänomen, das seine Ursprünge in der queeren Subkultur hat. Es bezeichnet eine Art der Wahrnehmung, bei der man Kulturprodukte genießt, obwohl sie im klassischen Sinne keine »gute Kunst« sind. Egal ob bei Werken aus der Hochkultur, die an ihrem eigenen Anspruch scheitern, oder bei Produkten der Trivialkultur, an die solche Ansprüche meist erst gar nicht gestellt werden, – beim Camp schätzt man das Übertriebene, Theatralische und oft auch Ironische.

Als Beispiele gelten Drag-Performances, Popstars wie Cher, die Bücher Oscar Wildes, die Baukunst Gaudís oder die Melodramen von Douglas Sirk.

Camp kann unfreiwillig entstehen oder bewusst produziert werden. Im Gegensatz zum Kitsch bezieht sich Camp allerdings weniger auf das Produkt an sich, sondern darauf, wie eine Gruppe diese kulturellen Erzeugnisse wahrnimmt und sich ästhetisch aneignet. Idealerweise hat Camp also etwas Subversives, das sich dem Mainstream entzieht.

Mittlerweile wird der Begriff jedoch recht breit gebraucht, etwa für Trash und Kitsch. Eine strengere Definition liefert Susan Sontag in ihrem prägenden Essay »Notes on Camp«, in dem sie Beispiele nennt und Camp als eine Form des Konsums und Aufführens von Kultur in Anführungszeichen bezeichnet – es handelt sich also um ein Spiel mit Zeichen, das nur Eingeweihte verstehen.

Der Filmemacher Bruce LaBruce hat 2012, ein halbes Jahrhundert nach Sontag, einen eher desillusionierten Blick auf das Phänomen geworfen: In seinem Essay »Notes on Camp/Anti-Camp« stellt er fest, dass Camp längst vom hyperkapitalistischen, heteronormativen Mainstream geschluckt wurde und es neben »bad straight camp« à la Beyonce und Lady Gaga mittlerweile auch »conservative camp« gebe – als einen Vertreter, damals noch in einer Reihe nach Sarah Palin und Newt Gingrich, nennt er Donald Trump.

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