Die fünf Formen der Figurenrede

Als Figurenrede bezeichnet man, wenn eine Figur ihre Gedanken und Wahrnehmungen wiedergibt. Dabei werden fünf Formen unterschieden, um Gesprochenes oder Gedachtes abzubilden.

Direkte Rede

Beispiel: »Jetzt habe ich aber echt Hunger«, sagte sie.

Rede (oder Gedanken) werden wortwörtlich in Anführungszeichen wiedergegeben und evtl. um einen Redebegleitsatz ergänzt. Direkte Rede eignet sich, um Figuren individuell und authentisch erscheinen zu lassen. 

Dialoge in direkter Rede wirken unmittelbar und sind ein Beispiel für zeitdeckendes Erzählen, das heißt, Erzählzeit und erzählte Zeit stimmen überein.

Indirekte Rede

Beispiel: Sie sagte, dass sie Hunger habe.

Rede oder Gedanken werden wortgenau oder verkürzt und ohne Anführungszeichen wiedergegeben. Auf eine einleitenden Satz folgt oft ein Nebensatz im Konjunktiv. Indirekte Rede eignet sich, um zeitraffend zu erzählen. 

Zudem kann die Glaubwürdigkeit der Figur geschwächt werden. In Chuck Palahniuks »Fight Club« sprechen z. B. alle Figuren in direkter Rede, nur der unzuverlässige Ich-Erzähler nicht.

Erlebte Rede

Beispiel: Ach, jetzt hatte sie aber echt Hunger!

Bei der erlebten Rede verschwimmen die Grenzen zwischen Erzähler und Figur. Obwohl oft in der 3. Person und im Präteritum berichtet wird, wirkt das Erzählte durch den Bezug zum Jetzt, Ausrufe und sprachliche Eigenheiten der Figur unmittelbar. Dieses Verschmelzen von Erzähler- und Figurenstimme findet sich z. B. bei Jane Austen oder Franz Kafka.

Innerer Monolog

Beispiel: Boah, ich hab echt Hunger. Ob ich mir da vorne eine Pommes holen soll?

Die Figur spricht in Gedanken mit sich selbst, es gibt keinen vermittelnden Erzähler. Das Gedachte wird in der 1. Person Präsens geschildert, man hat das Gefühl im Kopf der Figur zu sein.

Bewusstseinsstrom

Beispiel: Knurren. Zwicken. Hunger. Da — Pommes!

Die Unterscheidung zwischen Bewusstseinsstrom und innerem Monolog ist umstritten und nicht immer eindeutig. Man kann den Bewusstseinsstrom jedoch als unmittelbare Wiedergabe von Gedanken und sinnlichen Wahrnehmungen verstehen, bei der anders als beim inneren Monolog Grammatik und Logik vernachlässigt werden können. Beispiele finden sich etwa bei James Joyce.

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