Wenn man so manchem Spracherklärer glaubt, dann ist der reflexive Gebrauch von »entschuldigen«, also »sich entschuldigen«, neumodischer Quatsch. Früher hätte man noch korrekterweise um Entschuldigung gebeten, so wie man auch um Verzeihung bittet, den ent-schuldigen, also sich von Schuld freisprechen, könne man sich nicht selbst.
Die Gleichsetzung von »Entschuldigung« und »Verzeihung« ist aber (nicht nur aus moralphilosophischer Sicht) zu kurz gegriffen: Auch wenn die Wörter manchmal synonym verwendet werden, lässt sich mit einer Entschuldigung sprachlich doch so einiges anstellen, was mit »Verzeihung« nicht möglich ist. Nach einer Entschuldigung kann man suchen, sie anführen, eine schreiben oder murmeln. Die Entschuldigung meint eben nicht nur die Nachsicht für falsches Verhalten, sondern kann auch eine Begründung, Mitteilung oder Bitte sein.
Entsprechend vielseitig ist auch das Verb »entschuldigen«. Es bedeutet eben nicht nur, dass man Nachsicht für das Fehlverhalten anderer zeigt, sondern drückt auch das Bitten um Verständnis oder Verzeihung aus.
Dass der reflexive Gebrauch keine Sünde unserer Zeit ist, zeigt zum Beispiel ein Blick ins Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm oder in die Lutherbibel, aus der auch das einleitende Zitat stammt. Im Original heißt es da bei Lukas 14,18: »Vnd sie fiengen an alle nach einander sich zu entschüldigen.«
Was man trotzdem im Hinterkopf behalten kann: Je nach Anlass kann ein einfaches »Ich entschuldige mich« zu alltäglich und beiläufig wirken, es ist mal schnell so dahergesagt. Ein »Ich bitte dich um Entschuldigung« wirkt da doch etwas demütiger und macht auch deutlicher, dass es beim Entschuldigen um ein Miteinander und Dialog geht.
Mehr Schreibtipps, Neuigkeiten aus der Buchwelt und Rabattaktionen gibt es über meinen Newsletter.

Hinterlasse einen Kommentar