Heute möchte ich einen Blick auf »o« und »oh« werfen und einen hartnäckigen Mythos widerlegen.
Bei »o« und »oh« handelt es sich um Interjektionen, also Wörter, die eine bestimmte Empfindung ausdrücken, aber im engeren Sinn keine lexikalische Bedeutung haben. Es sind Laute des Ausrufs.
Dementsprechend vage sind auch die Definitionen im Duden: »o« wird da als Ausruf der Freude, der Sehnsucht, des Schreckens o. Ä. bezeichnet, »oh« als Ausruf der Überraschung, der Verwunderung o. Ä. bzw. als Ausruf der Ablehnung, der Zurückweisung.
In der Praxis ist es aber gar nicht immer möglich, diese Empfindungen klar zu trennen: Wenn jemand etwa freudig überrascht ist oder etwas erschreckt ablehnt, welche Interjektion ist dann gefragt? Hat Janosch etwa nicht vorher in den Duden geschaut, als er das sehnsüchtige »Oh, wie schön ist Panama« formuliert hat?
Die gute Nachricht: Es gibt einen gewissen Spielraum, so kleinlich sind die Regelungen nicht und sie entsprechen damit dem Sprachgebrauch. Der Duden gibt zum Beispiel sowohl »o ja« und »o weh« als auch »oh ja« und »oh weh« an.
Allerdings wird üblicherweise ausschließlich »o« benutzt, wenn der Ausruf einer Anrufung gleicht: »O Gott!«, »O Mutter!« oder »O Tannenbaum!«. Auch »oje« als Abkürzung von »O Jesus« schreibt man ohne h.
Jetzt aber zum Mythos: Es kursiert die Regel, dass nach »oh« immer ein Satzzeichen, also zum Beispiel ein Komma oder ein Ausrufezeichen folgen muss. Die Duden-Beispiele »oh ja« und »oh weh« lassen schon vermuten, dass das nicht der Fall ist. Und auch Grass hat nicht gegen die Rechtschreibung verstoßen, als er in der Blechtrommel schrieb: »Oh hätte es doch eine andere Soße oder überhaupt keine Soße zu dem Schokoladenpudding gegeben!«
Paragraf 79.2 der amtlichen Regeln des Rates für deutsche Rechtschreibung (Fassung von 2018) besagt nämlich, dass das Komma nach Ausrufen zur besonderen Hervorhebung genutzt werden kann, es ist aber nicht verpflichtend. »Oh wenn sie doch käme!« ist demnach ein korrekter Satz.
Kanntest du diese Regelungen schon oder konnte ich für ein kleines Aha-Erlebnis sorgen? Oder doch eher für ein Oh-Erlebnis?
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