Stößt man nun mit leckerem roten Wein oder doch mit leckerem rotem Wein an? Ich bin sicher, dass ich nicht der Einzige bin, der hier ein bisschen ins Schwanken gerät – ganz ohne zu tief ins Glas geschaut zu haben. Dabei ist es eigentlich ganz einfach!
Aber von vorne: Adjektive können entweder stark oder schwach flektiert werden, je nachdem wird eine unterschiedliche Endung angehängt.
- Nach einem bestimmten Artikel werden Adjektive schwach flektiert: der leckere Wein.
- Ohne vorangehenden Artikel und oft auch nach einem unbestimmten Artikel werden Adjektive stark flektiert: leckerer Wein / ein leckerer Wein.
Folgen mehrere Adjektive aufeinander werden sie in der Regel auf dieselbe Weise, also entweder schwach ODER stark flektiert: ein breiter, tiefer Graben bzw. der breite, tiefe Graben. Man nennt das Parallelflexion.
In diesem Beispiel ist der Graben breit UND tief, die Adjektive sind also gleichrangig. Wie ist das aber in dem Beispiel mit dem Wein, wo zwischen den Adjektiven kein Komma steht und es nicht darum geht, dass der Wein lecker UND rot ist, sondern darum, dass der rote Wein lecker ist?
Auch hier kann man die Parallelflexion nutzen und »mit leckerem rotem Wein« schreiben.
Wer möchte, darf aber auch die Unterordnung der Adjektive markieren und die Wechselflexion nutzen: Dann heißt es »mit leckerem roten Wein«, es folgt also ein Wechsel von starker zu schwacher Flexion. Ein Grund dafür, dass manche diesen Wechsel bevorzugen, wird im Klang vermutet.
Fazit: Parallelflexion ist also immer richtig, wenn mehrere Adjektive aufeinanderfolgen. Bei einer Unterordnung (»verschlechterter gesundheitlicher Zustand«) kann jedoch auch eine Wechselflexion erfolgen (»bei verschlechtertem gesundheitlichen Zustand«).
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