Am Fuß oder am Fuße des Berges? Wann man den e-Dativ benutzt

Hast du schon einmal vom e-Dativ gehört? Falls nicht, kennst du ihn garantiert aus Formulierungen wie »im Laufe der Zeit« oder »am Fuße des Berges«. Der Dativ endet hier auf einem e (»Laufe«, »Fuße«), was spätestens dann merkwürdig erscheint, wenn man das betreffende Wort in einem anderen Kontext verwendet: »Im Laufe griff er nach der Flasche.« Oder: »Er hat eine Warze am Fuße.«

Wie die Beispiele zeigen, gilt der e-Dativ allgemein als veraltet, sein Gebrauch geht seit Jahrzehnten zurück. Bei ihm schwingt schnell ein gewisses Pathos mit, das man bei förmlichen Anlässen (»Sie feierte im Kreise ihrer Liebsten.«) oder ironisch nutzen kann. Auch Ausdrücke wie »sich etwas zu Gemüte führen«, »zu Kreuze kriechen« oder »zu Buche schlagen« wirken etwas altmodisch und nicht alltäglich.

In anderen Wendungen ist der e-Dativ jedoch noch sehr lebendig und nicht wegzudenken, etwa bei »nach Hause gehen«, »zu Werke gehen«, »zu Berge stehen« oder »zu Grunde gehen«.

In vielen Fällen sind beiden Formen des Dativs, also mit oder ohne e, korrekt, aber nicht gleichermaßen angemessen. Wie bei »Laufe« und »Fuße« wird der e-Dativ oft in einem übertragenen Sinn verwendet, ebenso bei »Rande«: Während die meisten Leute »am Rande des Wahnsinns/Nervenzusammebruchs« nutzen würden, klingt der e-Dativ bei konkreten Gegenständen schnell seltsam. Man sagt eher »am Rand des Tellers/Tischs«.

Es muss also immer im Einzelfall entschieden werden, was passend ist. Während die Variante ohne e stilistisch meist die bessere Wahl ist, gibt es doch noch ein paar Nischen für den vom Aussterben bedrohten e-Dativ: In bestimmten Wendungen ist er unverzichtbar, zudem kann er genutzt werden, wenn die Sprache archaisch, gefühlsbetont oder förmlich anmuten soll.

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